Twitter-Exposé #1 - Überblick

Dieses Exposé wurde für die Veranstaltung “Digitale Kommunikation” an der TU Ilmenau verfasst.

Einleitung

In diesem Exposé soll es um einen beliebten Dienst im Web 2.0 gehen: Twitter. Der Mikroblogging-Dienst erfreut sich bei Nutzern großer Beliebtheit, was sich vor allem an einer beeindruckenden Zahl manifestiert: am 12. November 2008, rund 2 Jahre nach offiziellem Launch der Webseite, wurde der Milliardste (Mashable, 2008) “Tweet” verfasst. Auch in diesem Blog findet sich Twitter wieder - zur rechten Seite dieses Texts.

Der Untersuchungsgegegenstand “Twitter”

Twitter? Tweets? Mikroblogging? Für die meisten Internetnutzer dürfte die kurze Einleitung wenig verständlich sein, auch wenn der Dienst rasant wächst und sich wachsender Beliebtheit und damit auch Bekanntheit erfreut. Das Twitter-Prinzip ist an SMS-Nachrichten auf Mobiltelefonen angelehnt: Jeder Eintrag (”Tweet”) - in Blogform - darf maximal 140 Zeichen umfassen. Zudem kann man verfolgen, was andere Nutzer twittern und sich somit eine Art “Freundesliste” anlegen, wodurch ein soziales Netzwerk entsteht. Tweets können direkt an andere Nutzer gerichtet werden, auch Privatnachrichten sind möglich.

Doch was macht den Dienst Twitter aus? Bietet die Seite einen Mehrwert oder ist es nur eine sinnlose Spielerei? Wie, bzw. kann sie überhaupt zur sinnvollen Kommunikation eingesetzt werden?

Screenshot von Barack Obamas Twitterprofil

Fachliteratur zum Thema Twitter findet sich wenig. Dies liegt hauptsächlich darin begründet, dass der Dienst noch nicht lange existiert und zudem erst seit diesem Jahr rasante Mitgliederzuwächse zu verzeichnen hat. Gehen Java et al (2007) noch von 94.000 Mitgliedern im April 2007 aus, so belief sich die Zahl der Nutzer laut TechCrunch.com (2008) im März 2008, also weniger als ein Jahr später, auf deutlich über 1 Millionen. Inzwischen (November 2008) beläuft sich die Nutzerzahl auf rund 3,3 Millionen (TwitDir 2008).

Was sind nun die Gründe, Twitter zu nutzen? Kommunikation mit den Lesen der eigenen Beiträge und mit anderen Nutzern steht bei diesem Angebot im Mittelpunkt. Laut Java et al (2007, S. 7) können verschiedene Nutzungsintentionen unterschieden werden: “Chatten” als Mitteilung, was man gerade tut; Konversationen mit anderen Usern; das Mitteilen von URLs sowie das Schreiben von News. Twitteruser lassen sich weiterhin in verschiedene Nutzungstypen unterteilen, die hauptsächlich je eines der folgenden Ziele verfolgen: das Weitergeben von Informationen an alle, die den eigenen Updates “followen” (folgen); das Pflegen von Freundschaften sowie das Suchen von Informationen. Zu beobachten ist auch, dass manche Nutzer Twitter nur benutzen, um auf Updates in z.B. ihrem Weblog hinzuweisen. Natürlich sind die Einträge eines Users nicht immer gleicher Natur, somit vermischen sich verschiedene Nutzungsziele bei einem einzigen Mitglied. Tendenzen zu einer Nutzungsform hin sind jedoch meist erkennbar. So nutzt(e) Barack Obama, designierter Präsident der USA, Twitter zur Weitergabe an Informationen über die eigene Kampagne (siehe Screenshot). Damit ist er laut TwitDir.com auch der Twitter-User, dem die meisten Nutzer followen.

Barack Obama ist gleichzeitig prominentes Beispiel dafür, dass auf Twitter nicht nur anonyme Accounts existieren. Mit Auswahl eines Nicknames ist es jedoch einfach, anonym Einträge zu verfassen, da der reale Name nicht angegeben werden muss.  Es existieren gerade im Bereich der Prominenten diverse Fake-Accounts, in denen die Identität eines anderen lediglich vorgegeben wird. Dieses Phänomen ist vermutlich dem Interesse der Öffentlichkeit an Stars und Sternchen zu verdanken, welches von Trittbrettfahrern dann ausgenutzt wird. Viele Nutzer verlinken ihr Profil aber mit der eigenen Webseite oder benutzen sogar ihren richtigen Namen als Nickname in Twitter, so dass sie bewusst aus der Anonymität heraustreten. Gerade wenn Twitter als Kommunikationstool, um eigene Webinhalte auf anderen Plattformen zu bewerben, gesehen wird, ist dies der Fall.

Neben der Möglichkeit, die Welt mit mehr oder weniger sinnvollen Informationen a la “Trinke gerade Kaffee. Lecker!” zu versorgen, kann Twitter einen echten Mehrwehrt in der Onlinekommunikation bieten. Vergleichbar mit einem RSS-Reader kann man beispielsweise in Verbund mit dem AddOn Twitterfox für den Browser Firefox neue Tweets von Usern, deren Updates man selbst verfolgt, direkt in einem kleinen Popup angezeigt bekommen. Somit “abonniert” man praktisch die Tweets seines Twitter-Netzwerkes. Im Gegensatz zu RSS ist bei Twitter auch die direkte Antwortmöglichkeit gegeben. Ist der eigene Freundeskreis nun groß genug oder hat man besonders aktive Twitterfreunde, so kann man durch Twitter durchaus schnell auf Neuigkeiten oder interessante Begebenheiten hingewiesen werden, die man sonst möglicherweise nicht entdeckt hätte. Oft entstehen auch regelrechte “Diskussionen”, wenn mehrere User auf den Eintrag eines anderen antworten und dieser dann wiederum mehrere mit einer neuen Antwort gleichzeitig adressiert. Zudem ist es einfach, mit Personen in Kontakt zu treten, die man vorher möglicherweise nicht kontaktiert hätte. Folgt man den Updates eines deutschen Politikers, bekommt man daher nicht nur Einsicht in seinen Alltag und seine Meinungen und Gedanken, sondern kann ebenfalls Einträge direkt kommentieren.
Die Kürze der Einträge ist dabei von enormem Vorteil, da Mitteilenswertes auf das Wesentliche reduziert werden muss, was auch das “schnelle Twittern zwischendurch” ermöglicht.

Twitterfox in Aktion (unten rechts)

Zum angesprochenen AddOn für Firefox muss an dieser Stelle hinzugefügt werden, dass es rund um Twitter selbst inzwischen weitere Anwendungen und Webseiten gibt. So bietet der Dienst 15 seconds videos von viddler.com die Möglichkeit, mit einer Webcam Kurzvideos aufzunehmen und direkt in Tweets zu verlinken; der Dienst MagPie ermöglicht Werbeeinnahmen durch das Schalten von Anzeigen in Tweets und Twistory verknüpft Twittereinträge mit einem Kalender, so dass eine Art Tagebuch ensteht - um nur drei von unzähligen möglichen Beispielen zu nennen. Der Dienst Twitter an sich ist mittlerweile insofern nicht mehr einzigartig, da es eine Reihe von Nachahmern gibt (vgl. Wünsch 2008). Dass Twitter mehr als nur eine Webapplikation ist und es gar eine “twitosphere” (in Anlehnung an die Blogosphäre) gibt, zeigt sich in solchen twittereigenen Begriffen, von denen Pete Cashmere (2008) einige zusammengetragen hat.

Fazit

Kritiker werden an Twitter sicher auch in Zukunft bemängeln, dass viele Einträge überflüssig und damit sinnlos sind. Auf der anderen Seite können auch banale Einträge zu (für den einzelnen  durchaus nützlichen) Reaktionen bei Lesern führen: Wer im Tweet eines Freundes liest, dass dieser gerade die neue Folge von “Bauer sucht Frau” auf RTL sieht wird möglicherweise daran erinnert, dass er selbst vorhatte, einzuschalten. Zudem fasst Frank Patalong (2009) auf Spiegel Online in einem Artikel über Twitter die Problematik der Relevanz treffend zusammen:

“Der Grundfehler vieler Diskussionen über den so genannten Bürgerjournalismus ist, dass er den Maßstab eines Entweder-Oder an alle Dinge anlegt. Ein Dienst, ein Verbreitungsweg muss in dieser Logik entweder ernst oder nicht ernst zu nehmen sein. Er ist entweder profan oder relevant. Das ist natürlich Blödsinn. Er kann problemlos beides sein - oder mal dies, mal das.”

Positiv hervorzuheben ist in jedem Fall die Möglichkeit, durch Networking Kontakte zu auch bisher persönlich nicht bekannten Menschen herzustellen sowie der teilweise hohe Informationsgehalt angegebener Links. Mit den richtigen Tools beim Lesen kann Twitter so eine Bereicherung der persönlichen Kommunikation im Web darstellen.

Interessant für die Zukunft wird sein, inwieweit das StartUp Twitter seinen Dienst profitabel gestalten möchte - Werbung ist derzeit nirgends geschaltet. Zudem muss die Zeit zeigen, ob Twitter sich dauerhaft behaupten kann oder bald wieder “out” sein und damit von nur noch wenigen Usern benutzt werden wird. Überlegungen dazu sollen teilweise in den folgenden Teilen des Exposés angestellt werden.

Literaturhinweise

Arrington, Michael auf TechCrunch.com (2008): End of Speculation: The real Twitter usage numbers. Abgerufen am 12.11.2008 unter http://www.techcrunch.com/2008/04/29/end-of-speculation-the-real-twitter-usage-numbers/

Cashmere, Pete (2008): Twitterspeak: 66 Twitter Terms You Don’t Need to Know. Abgerufen am 13.11.2008 unter http://mashable.com/2008/11/15/twitterspeak/

Java, Akshay/Song, Xiaodan/Finin, TIm/Tseng, Belle (2007): Why We Twitter: Understanding Microblogging Usage and Communities. Abgerufen am 13.11.2008 unter http://ebiquity.umbc.edu/_file_directory_/papers/369.pdf

Patalong, Frank (2009): “Da ist ein Flugzeug im Hudson River. Verrückt.” Spiegel Online. Abgerufen am 16.01.2009 unter http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,601588,00.html

Schroeder, Stan auf Mashable.com (2008): Twitter: One Billion Tweets. Wow. Abgerufen am 12.11.2008 unter http://mashable.com/2008/11/12/twitter-one-billion-tweets-wow/

TwitDir.com (2008). Abgerufen am 13.11.2008 unter http://twitdir.com/

Wünsch, Michael (2008): 12+ Twitter Clones - Bau dir deine eigene Microblogging Community. Abgerufen am 13.11.2008 unter http://www.wuensch-media.de/2008/11/16/12-twitter-clones-bau-dir-deine-eigene-microblogging-community/

Download des Exposé als PDF


One response so far, want to say something?

  1. Susanne says:

    Hallo,
    ich freu mich auch jemand gefunden zu haben der Twitter als Angebot gewählt hat. Obwohl ich Twitter vorher nicht besonders gut kannte, glaube ich, dass in diesem Dienst ein großes Potenzial steckt. Im ersten Moment mag man vielleicht wirklich denken, wen interessiert es was ich gerade tue. Ich denke, dass redundante Informationen über derzeitige Darmaktivitäten o.ä. bei den Nutzern auch nicht unbedingt dazu führen diese Tweets zu abonnieren. Hingegen sind die Tweets von Fachleuten, Journalisten, professionellen Blogern, Künstlern usw. doch durchaus interessant. Ich bin der Meinung, dass der Networking-Aspekt bei Twitter eine große Rolle spielt. Man kann Informationen aus erster Hand erhalten, seine Ansicht dazu preisgeben und Kontakte knüpfen.
    Ich bin mal gespannt was du noch so zu sagen hast;)
    Grüße, Susanne

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